Bibelinterpretation / Prediger 7:20
Das Buch Prediger, verfasst von König Salomo, vermittelt eine philosophische Sichtweise auf Leben, Tod und menschliches Handeln. In diesem Zusammenhang thematisiert Vers 20 des siebten Kapitels das Wesen von Gerechtigkeit und Sünde im Menschen.
Kein sündloser Mensch auf Erden
Der erste Teil des Verses macht deutlich, dass es auf Erden keinen Menschen gibt, der vollkommen gerecht ist. Dies bedeutet nicht, dass es keine Menschen gäbe, die danach streben, Gutes zu tun und nach ethischen sowie religiösen Grundsätzen zu leben; vielmehr weist es darauf hin, dass es beim Menschen keine absolute Vollkommenheit gibt. Wir alle haben Schwächen, sind Versuchungen ausgesetzt und erleben Momente der Gebrechlichkeit. Selbst die edelsten und tugendhaftesten Menschen können Fehler begehen und in Sünde fallen.
Diese pessimistische Sichtweise hinsichtlich der menschlichen Gerechtigkeit findet sich auch an anderen Stellen der Bibel – etwa in Römer 3:10, wo es heißt: „Es ist keiner gerecht.“ Auch wenn dieser Gedanke auf manche entmutigend wirken mag, lässt er sich doch auch als eine Haltung der Demut und des Realismus betrachten.
Gutes tun und nicht sündigen
Der zweite Teil des Verses besagt, dass das Gute und die Sünde Gegensätze darstellen – eine grundlegende Lehre des Christentums. „Das Gute“ bezieht sich auf gerechte und tugendhafte Taten, während „Sünde“ Handlungen bezeichnet, die gegen göttliche und menschliche Maßstäbe verstoßen. Der Vers legt nahe, dass moralische Vollkommenheit für den Menschen unerreichbar ist. Selbst jemand, der von der Gesellschaft als gerecht angesehen wird, mag in der Vergangenheit Fehler begangen haben oder könnte dies in Zukunft tun. Zudem liegt es im Wesen der Sünde, uns dann zu überrumpeln, wenn wir am wenigsten damit rechnen.